Reflexintegration

Frühkindliche Reflexe unterstützen die Entwicklung des Babys schon im Mutterleib und sind für den Geburtsprozess und die ersten Lebensmonate überlebenswichtig.

Im ersten Lebensjahr sollten sie gehemmt werden.

Tritt eine Störung in der Entwicklung auf, so können Restreflexe erhalten bleiben und damit die weitere Entwicklung beeinträchtigen. Diese Restreflexe beeinträchtigen nicht nur Haltung, Bewegung und Gleichgewicht, sondern haben auch Einfluss auf Konzentration, Lernen und Verhalten.

Bekannte primitive/frühkindliche Reflexe sind: MORO-Reflex, ATNR, STNR, TLR und der Such -und Saugreflex.

ATNR

Der ATNR entsteht im ersten Schwangerschaftsdrittel und sollte bis zum 9ten Lebensmonat gehemmt sein.

In der Praxis zeigen sich folgende Auffälligkeiten, welche im täglichen Leben durch ATNR-Unreife entstehen können:

  • Unfähigkeit, die Mittellinie zu überkreuzen Bei Rechtshändern Probleme beim Beschreiben der linken Seite des Papiers (wandert immer mehr nach rechts); Probleme mit der Aufteilung des Blattes an der Mittellinie, der Ausrichtung der Schrift sowie die Zeilen einzuhalten; Drehen des Blattes beim Schreiben
  • Hand-Augen-Koordination – Probleme der Koordination von Hand und Arm beim Schreiben (verkrampfte Schreibhaltung/Stifthaltung  – „Gravieren“ – schlechte Handschrift). Das Schreiben ist sehr anstrengend und kosten Kraft.
  • Diskrepanz zwischen schriftlichem und mündlichem Ausdruck (die  Großhirnrinde ist mit Reflex-Unterdrückung beschäftigt!)
  • Gleichzeitiges Schreiben und Zuhören problematisch (Diktat!)
  • Legasthenie/Spiegelschrift
  • Visu-Motorik und Augenfolgebewegungen  (notwendig für Lesen und Schreiben); die Entwicklung ist eingeschränkt. Dadurch häufiges verrutschen in den Zeilen
  • Verzögerung in der Augenfolgebewegung  verhindert flüssiges Lesen „ganzer Körper liest mit“;  Buchstaben, Endungen oder Wörter  werden ausgelassen wiederholt  oder falsch aneinandergereiht;  Staccato-Stil, wenig Betonung, wenig Verständnis des Gelesenen
  • Begreifen der Dinge (Säugling kann die Dinge nicht zum Mund führen) und damit späteres Abstrahieren behindert
  • Beeinflussung des Körperbewusstseins, der Lateralität (Rechts-Links-Unterscheidung) und des Richtungssinnes (homolaterales Bewegungsmuster)
  • Wechselnde Händigkeit  über das 8. Lebensjahr hinaus (bzw. auch Augen,- Fuß, Ohr-Dominanz);  Langsamkeit geistiger Prozesse und Reaktionen, Lustlosigkeit
  • Wahrnehmungsstörungen – Ohren und Augen brauchen Zeit um die Informationsquelle zu identifizieren – Informationen gehen verloren
  • Automatische Gleichgewichtskontrolle fehlt -Tollpatsch, Unbeholfenheit

MORO

In der Praxis zeigen sich folgende Auffälligkeiten, welche im täglichen Leben durch MORO-Unreife entstehen können:

  •  „Daueralarm“ Sympathikus-Aktivierung – Angststörungen, Schlafstörungen (Adrenalinausschüttung), Verdauungsprobleme, Bluthochdruck bei Erwachsenen
  • Überempfindlichkeit (Auditiv, taktil, vestibulär, olfaktorisch, Stress…)
  • Hyperaktivität – dann totale Erschöpfung
  • Impulsivität, fühlt sich leicht angegriffen – in Gefahr – ggf. aggressiv
  • Aufmerksamkeitsdefizite (kann sich nicht auf eine Sache konzentrieren)
  • Sensorische Überladung, Hypersensitivität
  • Ängstlichkeit bis Panik; Schreckhaftigkeit; häufiges Erwachen
  • Vermeidung unbekannter Abläufe, Furcht vor Neuem, Abneigung gegen Überraschung sowie Veränderung; wollen kontrollieren und manipulieren; dadurch Aggressivität oder Rückzug; Routine, Struktur und Planung wichtig
  • Stimmungsschwankungen (Blutzuckerspiegel!); Emotionale und soziale Unreife, niedriges Selbstwertgefühl, Schulangst, leichte Ablenkbarkeit
  • Gleichgewichtsprobleme; schlechte Balance und Koordination,
  • Koordinationsprobleme beim Ballspielen,
  • Fehlende Abstützreaktion – fallen meist auf das Gesicht
  • Schwierigkeiten  Kritik anzunehmen, Hypochondrie
  • Gesundheitliche Probleme unterschiedlichster Art : Infektanfälligkeit, Asthma, auf Dauer Hypertonie, Diabetes welche durch Stresshormone entsteht
  • Ausblenden von Geräuschen
    • Überhören von hohen Frequenzen –     Laute wie s und f
    • Verwechslung von p-b, d-t, g-k
    • Hörverzögerung, Hörverwechslung
    • Es kommen unvollständige und unrichtige Informationen an…
  • Sehfähigkeit reduziert, weite Pupille – Blendeffekte
    • Schnelles Ermüden beim Lesen,
    • Probleme von der Tafel abzuschreiben

Wenn der Moro-Reflex nie richtig ausgereift ist, kann sich ebenfalls keine reife Schreckreaktion ausbilden. Betroffene Personen reagieren auf potentielle Bedrohungen mit Rückzug, Verlangsamung oder auch mit regelrechter Erstarrung. Sie sind oft übersensibel, sehr ängstlich, schüchtern und können zu Depressionen neigen.

Kinder mit anhaltetem Rest-Moro können sowohl  aggressiv, kontrollierend, überaktiv sein und zu Wutausbrüchen neigen oder überängstlich, zurückgezogen mit Kontaktschwierigkeiten…

STNR

Der STNR entsteht im 6-9 Monat nach der Geburt und wird etwas drei Monate später wieder gehemmt.

In der Praxis zeigen sich folgende Auffälligkeiten, welche im täglichen Leben durch STNR-Unreife entstehen können:

  • Verkrampfte Schreibhaltung, Verkrampfung im Bereich Halswirbelsäule, Schulter –und Nackenmuskulatur
  • Sitzposition – Zusammensinken beim Sitzen am Tisch
  • Schlecht entwickelter Muskeltonus, affenähnlicher Gang mit eingeknickten Knien, Zehenspitzengang
  • Schlechte Auge-Hand-Koordination, Probleme beim Fokussieren von Nah auf Fern und umgekehrt geht nicht (Heft–Tafel)
  • Schlecht entwickelte Nahsicht – die Kinder müssen sich enorm konzentrieren um zu sehen was sie schreiben
  • Integration von Ober- und Unterkörper gestört (z.B. Erlernen des Schwimmens)
  • Motorische Unruhe – Hyperaktives Verhalten
  • Motorische Ungeschicklichkeit (Tollpatsch)